
Im Einklang mit der Umwelt
Der Italiener Matteo Thun gehört zu einer wachsenden Gruppe von Architekten, die sich der sogenannten Ökotektur verschrieben haben, jener Design-Philosophie, die Architektur mit Ökologie und Nachhaltigkeit zu vereinen sucht. Der «Ort» ist das Schlagwort für Thun. Bevor er mit der Planung beginnt, schaut er sich die Stelle, an der er bauen soll, genau an und versucht, in der Natur vorhandene Elemente in seine Architektur zu integrieren.

«Ich will innerhalb des Ortes bauen, ihn nicht zerstören», beschreibt der Architekt seine Intention. Die Schlüssel für den Entwurf eines nachhaltigen Projektes sind für ihn die Reduktion des Verbrauchs von Energie und Wasser, der Einbezug erneuerbarer Energiequellen und das Abdecken der Nachfrage mit hocheffizienten Systemen.
Mit Gespür für Vielfalt
Der im Jahr 1952 in Bozen geborene Thun studierte an der Akademie von Salzburg unter Oskar Kokoschka. 1975 promovierte er zum Doktor der Architektur in Florenz und wurde sechs Jahre später zusammen mit Ettore Sottsass Mitbegründer der Designer-Gruppe Memphis, die mit einer neuen Art im Umgang mit Objekten und Materialien in den 80er-Jahren eine Revolution auslöste. Erfolg gründet für den Architekten in einer Teamleistung, nicht nur was das Personal angeht, sondern auch verstanden als die Verschränkung verschiedener Disziplinen. 1984 gründete er sein eigenes Studio in Mailand, das aus diesem Grund fachübergreifend Architektur, Design und Kommunikation anbietet. Vierzig Architekten, Produktdesigner, Innenarchitekten und Grafikdesigner arbeiten dort für und mit Matteo Thun. Bis heute konnte Thun verschiedene Auszeichnungen entgegennehmen.
Ein Lob auf die Natürlichkeit
Thun ist fasziniert von der stofflichen Qualität der Dinge und bevorzugt natürliche, unbehandelte Materialien. Sie sollen bei den Bewohnern seiner Häuser ein behagliches Gefühl und gleichzeitig das Bewusstsein für die Umwelt wecken. Thun verweigert sich einer Kategorisierung und will sich auch nicht auf eine einzelne Projektform spezialisieren. Er zeichnet deshalb verantwortlich für eine breite Palette an Werken vom Berghotel über Anzeigen für Porsche oder Siemens bis hin zu Kaffeetassen für die Firma Illy.
Das Vigilius Mountain Resort hat aber selbst für ihn neue Standards gesetzt. Das Luxushotel ist elliptisch angelegt und von Terrassen umrahmt. Es verfügt über 35 Zimmer und 6 Suiten, ein Spa sowie Restaurant, Bar, Konferenzzimmer, Bibliothek und Lounge. Es befindet sich auf einem Plateau auf halber Höhe eines Berges bei Meran und kann nur über eine Drahtseilbahn oder einen winzigen Bergpfad erreicht werden.
Alle Materialien des «Vigilius» sind natürlich. Thun lobt die ökologische Nachhaltigkeit von Holz, das er deshalb so oft als möglich verwendet. Die Nasszellen werden von den Hotelzimmern durch Lehmwände getrennt, die Wärme ausstrahlen. Die Einrichtung der Räume ist aus Naturfasern und in gedämpften Erdtönen gehalten. Und nicht zuletzt schweift der Blick aus dem Zimmer über die unverdorbene Natur der Südtiroler Bergwelt.
Text: Nicole Zepter, freie Journalistin



