
Istanbul, my Love.
Ein romantischer Blick in die verwunschenen Ecken der türkischen Megametropole.

Eine Stadt mit Herausforderungen: Istanbul verführt mit einem ganz eigenartigen Mix aus Gegensätzen und Spannungen. Das ist aufregend und dank schneller Flugverbindungen ein guter Grund für den nächsten Wochenendbesuch zu zweit.
Istanbul ist eine Millionenstadt, zwischen Orient und Okzident, zwischen Ost und West, Moderne und Tradition. Istanbul ist ein ständiges Hupkonzert, eine architektonische Achterbahnfahrt, ein aufregender Moloch von herausfordernder Schönheit. Und dann ist da noch ein altes, ein verwunschenes Istanbul, das einen melancholisch werden lässt und an die alten Zeiten von Konstantinopel erinnert: Da sind alte Bahnhofsstationen aus der Zeit des Jugendstils, die die europäischen Reisenden des Orient Express aufnahmen. Da sind die typischen Teestätten am Ufer des Bosporus, bei denen man auf kleinen flachen Schemeln einen starken türkischen Tee geniesst. Da sind kleine Cafés, alt eingesessene Patisserien oder verwunschene Gärten der alten Moscheen.
Die Strasse der Unabhängigkeit
Auf der grossen Istiklal Caddesi, der Strasse der Unabhängigkeit, befindet sich die alte mondäne Patisserie Markiz, 1940 gegründet und nach der Pariser Pralinenmarke Marquise de Sévigné benannt. Die Patisserie, innen im Art-nouveau-Stil mit Fayence-Wandbildern verziert, bietet ein edles, angenehmes Ambiente. Während draussen unzählige Menschen auf der Istiklal Caddesi flanieren, kann man hier in Ruhe Spezialitäten wie das türkische Baklava oder ein Stück Kastanientorte geniessen. Für ein Abendessen zu zweit isst man auf der Istiklal klassisch-traditionell im «Refik» oder im «Yakub 2». Wer es lieber modern mag, geht ins «Simdi» oder ins «Lokal». Am oberen Ende der Strasse führt der Weg zum Galataturm. Dort steht die Halle der Mevlevi, der tanzenden Derwische, die traditionell in weissen Gewändern und zylindrischen Hüten ihren Kult zelebrieren. Besucher können das Spektakel, das alle zwei Wochen läuft, live miterleben. Weiter unten, am Ende der Strasse, erhebt sich der Galataturm, der Galata Kulesi. Besuchen Sie den Turm tagsüber, kommen Sie aber am Abend zurück. Denn romantisch ist auf jeden Fall der Ausblick auf dem 60 Meter hohen Turm, sexy aber ist ein Besuch im engen Nardis Jazz Club direkt nebenan. Im «Nardis» läuft fast täglich Livejazz von internationaler Qualität.
Blick auf den Bosporus
In Cihangir, einem Viertel mit Blick auf den Bosporus, befindet sich die kleine Patisserie Nevi. Sie hat nur einen einzigen Tisch und unglaublich leckeres Gebäck. Ein paar Meter weiter: das etablierte Café Smyrna. Direkt hinter der Eingangstür geht rechts eine kleine Leiter hoch, die zu einem ganz besonderen Ort führt: einer kleinen Galerie, in der man auf grossen, weichen Kissen Platz nehmen kann. Hier möchte man stundenlang beieinander liegen und den Tag geniessen.
Flucht in die Seelen der Stadt
Wenn allerdings selbst diese schönen Ecken nicht ausreichen, um dem Trubel der Stadt zu entfliehen, empfehlen wir drei weitere Möglichkeiten: Man geniesst die unglaubliche Ruhe seines Hotels, wie im luxuriösen Sofa Hotel im Viertel Nisantasi, man übergibt sich der dampfenden Heilkraft eines Hamams, z.B. im Ciragan Healthclub im ehemaligen Sultanspalast, dem Kempinski Ciragan Palace oder man entschwindet der Stadt ganz und nimmt eine Fähre zur Sommerresidenz der Istanbuler, zu den nahe gelegenen Prinzeninseln.
Nicole Zepter, freie Journalistin aus Hamburg, lebte 2005 für ein Jahr in Istanbul.




